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11. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 53. Tag: Von Eberstetten nach München —– Ende der Reise!

Die Jahre nach dem II. Weltkrieg habe ich als Kind in einem kleinen ungarischen Dorf verbracht. Damals wurden noch die Tiere – Kühe, Schweine und Schafe – tagsüber auf die Gemeindewiese getrieben, wo die von Gemeindehirten behütet wurden. Am frühen Morgen kamen die drei Hirten nacheinander an der Dorfstrasse entlang und haben ihre Tiere eingesammelt.  Zur Erkennung hat der Schweinehirt (ungarisch kanász) einen richtigen Rindernhorn geblasen, der Kuhhirt (ungarisch gulyás) mit einer Glocke gebimmelt, der Schafhirt (ungarisch pásztor) mit einer Trillerpfeife sich kenntlich gemacht.

Wenn die Viecher am Abend ins Dorf zurückkehrten, wurden sie in den einzelnen Stallungen versorgt. Die Schweine bekamen ihr Kraftfutter, die Kühe wurden gemolken.

Erst kamen die Schweine nach Hause. Schon vorher musste alles von der Strasse weggeräumt werden. Auch wir Kinder wurden in Sicherheit gebracht. Die Borstenviecher haben es nämlich sehr eilig gehabt den Futtertrog zu erreichen. Sie kamen mit solchem Brachialgewalt nach Hause gerannt, dass sie alle noch so mächtige Hindernisse niedergetrampelt hätten.

Etwas später kamen die Kühe getrabt, etwas langsamer, dafür aber war ihre Masse gefährlicher. Erst als auch sie durch waren, durften wir unser Versteck verlassen. Die Schafe waren nicht mehr bedrohlich, sie waren geduldig und friedlich wie immer.

Warum ich das alles hier erzähle? Weil heute komme ich mir vor, wie die damaligen, nach Hause zurückkehrenden Schweine. Mich lockt zwar nicht der Futtertrog, aber mein eigenes Bett, mein Schreibtisch, mein Sessel, meine Bücher, meine Zuhause. An diesem letzten Tag habe ich nichts mehr angeschaut, keine Bilder mehr gemacht. Heute bin ich einfach nach Hause gerannt.

Es war ein schöner Tag!

Es war eine schöne Reise!

10. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 52. Tag: Von Kehlheim nach Eberstetten

Es war eine unruhige Nacht. Zwei Häuser weiter hat man gestern abend ein vietnamesisches Restaurant eröffnet. Dieses Ereignis wurde mit hundert ausschließlich vietnamesischen Gästen gefeiert, und zwar durch die ganze Nacht. Und es gibt kein südostasiatisches Feier ohne Karaoke! Wenn angetrunkene Menschen Vietnam-Poplieder zum Besten geben, bleibt kein Auge trocken!

Zwischen Kehlheim und Weltenburg verengt sich das Flusstal zur Schlucht, wo die Felswände steil in das Wasser fallen. Ein Radweg gibt es hier nicht. Man kann zwar diese Strecke auf Umwegen über die Berge auch mit dem Fahrrad bewältigen, aber viel schöner und bequemer ist es, wenn man ein Schiff nimmt. Es braucht für diese Strecke flussaufwärts etwa 40 Minuten.

Die Benediktinerabtei Weltenburg ist aus mehreren Gründen weltberühmt. Erstens ist es die einmalige Lage. Die Klosteranlage liegt auf einem breiten Kieskegel in einer Biegung der Donau, umgeben von Bergen und Wäldern. Man könnte es nicht schöner malen! Trotz der vielen Besucher hat man ein Gefühl der Abgeschiedenheit. Zweitens ist es die Klosterkirche, ein Triumph der Barockkunst, erschaffen von den genialen Asam Brüdern. Und drittens, aber nicht zuletzt, ist es das süffige Klosterbier, ein Dunkelbier, das hier gebräut wird. Die mönchische Brauerei ist um 1050 beurkundet, und ist damit vermutlich eine der ältesten Brauereien der Welt!

Es ist zwar bedauerlich, aber zum Biertrinken ist es noch zu früh am Tag.  So fahren wir weiter. Der Radweg am Fluss wird gerade erneuert, als Donauradweg ist eine Umgehung ausgeschildert, die uns weg vom Fluss in das hügelige Hinterland führt. Es ist ein schönes Land, wo hauptsächlich Hopfen angebaut wird.

Die Donau sehen wir heute nicht mehr. Bei Münchsmünster verlassen wir das Donautal und fahren  Richtung Süden, wo unsere Reise bald, vielleicht morgen zu Ende geht. Vorher aber kehren wir in Münchsmünster in ein Gasthaus ein, wo wir eine sensationelle Brotzeitplatte seviert bekommen.

Der Nachmittag ist richtig heiß, jetzt wollen wir nur noch weiter. In Pfaffenhofen haben wir genug von Radeln. Vor zwei Jahren haben wir in einem Nachbargemeinde, in Eberstetten ein gutes Quartier gefunden. So nehmen wir auch jetzt dort ein Zimmer. Leider ist das Haus in der Zwischenzeit zwar teuerer und nicht gerade besser geworden, dafür ist aber das Abendessen etwas versöhnlicher.

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9. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 51. Tag: Von Schwandorf nach Kehlheim

Der Naabtalradweg zwischen Schwandorf und der Mündung in die Donau bei Mariaort ist zwar meistens unbefestigt, aber gut zu fahren. Von hier ist die schöne Stadt Regensburg nur noch etwa zehn Kilometer. Wir haben Regensburg in der Vergangenheit aber schon öfters besucht. So nehmen wir die Möglichkeit wahr, bei Mariaort auf der Eisenbahnbrücke vom Naabtalradweg direkt auf den Donauradweg zu wechseln.

Der Radweg am Ufer entlang ist streckenweise, zumal nach den Regenfällen der vergangenen Tage, in einem ziemlich schlechten Zustand. Wir weichen wiederholt auf die paralelle Landstrasse aus. Sie ist nur mäßig befahren.

Nach 83 Kilometern erreichen wir Kehlheim, wo wir im Gasthaus “Weisses Lamm” Unterkunft finden. In dem hauseigenen Lokal bekommen wir einen Schweinsbraten, wie es ihn nur in Bayern gibt. Einfach großartig!

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8. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 50. Tag: Von Windischeschenbach nach Schwandorf

Es regnet. Damit ist es entschieden: Wir nehmen den Zug nach München. Wir packen also die Fahrradklamotten ein und ziehen für die Bahnfahrt unsere Straßenkleider an. Als wir damit fertig sind, regnet es nicht mehr. Was nun?

Allmählich haben wir von diesem “Rin in die Kartoffeln, raus aus den Kartoffeln” genug. Wir fahren mit dem Rad nach Hause, auch wenn es Hunde und Katzen regnen sollte! Schluss!!!

Das Terrain bis Weiden ist ziemlich hügelig und der Himmel bedohlich grau, aber es ist eine besonders schöne Landschaft, die sich um uns ausbreitet. Es ist richtig gewesen, uns für das Radeln entschieden zu haben.

Ab Weiden ist es flacher. Der Weg – mal ein Radweg, mal eine Landstrasse – bleibt immer in Flussnähe. Das tut leider auch die Autobahn. So hören wir, lauter oder leiser, am ganzen restlichen Tag die Fahrzeuge, die es offensichtlich eiliger haben als wir.

In der Nähe von Damelsdorf versperrt uns eine Eisenbahnschranke den Weg. Daneben steht eine Sprechanlage. Ich hebe den Deckel hoch. Eine sympatische Frauenstimme meldet sich und bittet uns ein wenig zu gedulden: Ein Zug ist in Anfahrt. Später meldet sie sich wieder und fragt, ob der Zug schon vorüber gefahren ist. Dann macht sie die Schranke hoch und bittet uns, ihr zu sagen, wenn wir an der anderen Seite angekommen sind. Danach bedanken wir uns gegenseitig und sie wünscht uns einen schönen Tag und gute Weiterfahrt. Ich merke, wie es mir gut tut, hinter einem technischen Apparat einen Menschen, und nicht eine Automatenstimme ( “… dann drücken sie die Taste zwei!”) zu entdecken.

In Schwandorf nehmen wir in dem selben Hotel ein Zimmer, wo wir vor zwei Jahren schon mal gewesen sind: “Hotel Bayer” neben der Brücke.

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7. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 49. Tag: Von Eger nach Windischeschenbach

Wollen wir nach München radeln oder den Zug nehmen? Die Antwort können wir etwas hinaus schieben. Die Grenze ist nah, und auch wenn wir mit der Bahn nach München fahren, ist es einfacher und billiger von einer bayerischen Bahnstation nach Hause zu fahren.

Auf der Strecke zwischen München und Cheb haben wir vor zwei Jahren schon Mal geradelt (siehe hier). Es ist eine wunderschöne Route, bei schönem Wetter wäre es auch ein zweites Mal ein Vergnügen.

Bis zur Staatsgrenze ist es eine einzige Steigung auf einer stark befahrenen Strasse. Oben sehen wir ein Denkmal für die Opfer, die, die Segnungen des sozialistischen Systems überdrüssig, Tschechien verlassen wollten. Dafür wurden sie vor gar nicht so langer Zeit erschossen. Heute rasen die Fahrzeuge an der selben Stelle durch, ohne dabei was zu denken und ohne behindert zu werden. Ist der Mensch tatsächlich vernunftbegabt? Wenn ich hier an dieser friedlichen Waldlichtung die Namensliste der Opfer sehe, bekomme ich starke Zweifel.

An der bayrischen Seite der Grenze fängt ein guter Radweg an. Jetzt kommt eine vergnügliche Abfahrt bis Waldsassen, Mitterteich und weiter nach Falkenstein. Dort steht das Gasthaus “Zum roten Ochsen”, das mit seinen über 500 Jahren eins der am längsten existierenden Gasthäuser Bayerns ist. Das Lokal ist aber kein bisschen prätentiös, eher bäuerlich-gemütlich. Es ist eine gute Adresse für die Mittagspause.

Satt und zufrieden lässt unsere Aufmerksamkeit nach und so nehmen wir einen falschen Weg. Der führt uns zur Bundesstrasse 15. Der ist so stark befahren, dass uns es ratsamer erscheint fast bis Falkenstein zurück zu fahren, und von dort den Waldnaab-Radweg zu suchen.

Dieser Radweg ist zunächst eine schlechte Waldpiste, die durch ein versumpftes Hochmoor schlängelt. Nach einigen Kilometern sammelt sich das Wasser in einem munteren Bächlein. Es ist der Anfang der Waldnaab. Sie wird schnell größer und größer, ihr Tal verengt sich, die steilen Hänge bekommen Felsen. So befinden wir uns plötzlich in einer romantischen Märchenwelt, von der wir nichts wußten und die wir fast verpasst haben. Sie ist einer der Höhepunkte unserer Reise!

In Windischeschenbach nehmen wir ein Zimmer in dem selben Haus, im “Oberpfälzer Hof”, wo wir schon vor zwei Jahren abgestiegen sind. Die Frage, ob wir morgen den Zug nehmen oder weiter radeln wollen, haben wir noch immer nicht beantwortet.

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6. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 48. Tag: Von Kralupy nad Vltavou nach Prag (und weiter nach Eger)

Ich habe eine Frage: Wo lagert man, wo versteckt man die frischen Semmeln, bevor sie viele Tage später den Gästen verkauft bzw. serviert werden? Ich kenne dieses Phänomen auch von Ungarn, wo ich in den 26 Jahren, die ich dort verbracht habe, kein einziges frisches Brötchen zu Gesicht bekommen habe. Auch der Ton des mehrsprachigen Schildes, die wir am Eingang des Frühstücksraumes sehen, erinnert mich an vergangene sozialistische Zeiten: “Es ist strengstens verboten Lebensmittel aus diesem Raum hinaus zu tragen!”

Es geht weiter. Jetzt fahren wir wieder am Ostufer bis Chvateruby. Dort müssen wir uns entscheiden, ob wir weiterhin am Flussufer bleiben, oder aber zu den höher gelegenen Dörfern hochsteigen. Wie ich es schon erwähnte, haben wir diese Uferstrecke vor acht Jahren als das reinste Horror kennengelernt. Acht Jahre ist eine lange Zeit, vielleicht ist dieser “Radweg” seitdem verbessert worden? So frage ich in Chvateruby eine Gruppe von Menschen nach der Beschaffenheit des Uferweges. Eine Frau, die recht gut deutsch spricht, sagt, dass der Weg neu gebaut ist, wir können den ruhig nehmen. Wir bleiben also am Fluss. Nach einem kurzen Stück guten Asphalts kommen wir zu der Stelle, wo damals der Gamspfad anfing. Der ist noch immer da, es hat sich nichts geändert! Warum die Frau uns falsch informiert hat, kann ich mir nicht erklären!

Wir schieben etwa ein Kilometer bis zu der Stelle, wo nach der Karte eine Fluchtmöglichkeit sich bietet. Ein steiler Weg steigt zu den Dörfern Vodochody und Klecany hoch, von wo aus wir dann zum Fluss zurückkehren können.

Bis Prag ist es nur noch eine kurze, allerdings teilweise sehr schlechte Strecke. Der Radweg in die Stadtmitte ist ziemlich kompliziert, aber einigermaßen ausgeschildert. Es ist früh am Nachmittag, und wir stehen am berühmten Altstädter Ring, dem zentralen Platz von der Prager Altstadt. Die Masse der Touristen aus aller Herren Ländern ist unbeschreiblich, wir fühlen uns erdrückt und überfallen. So ziehen wir uns in ein Lokal zurück um zu überlegen, was wir nun zu machen gedenken.

Ich habe eigentlich genug von dieser Reise. Sie ist zwar schön, aber sie dauert zu lange. Prag wäre ein guter Schlusspunkt.

Andererseits wäre es nicht schlecht, die Runde zu vervollständigen, also so wie wir mit Fahrrad München verlassen haben, dorthin mit Fahrrad auch zurück zu kehren. Wir könnten beispielsweise an der Moldau entlang bis in den Böhmerwald radeln, von dort ist es nach München bloß ein Katzensprung. Wir brauchten aber Landkarten, vielleicht auch ein Unterkunftsverzeichnis. Wir versuchen in mehreren großen Buchhandlungen und auch in dem zentralen Touristenbüro etwas in dieser Richtung zu finden, aber das Ergebnis ist gleich Null.

Es ist schon Nachmittag, ohne Karte ins Blau zu fahren haben wir keine Lust. So nehmen wir uns kurzentschlossen vor, von Prag mit dem Zug nach Hause zu fahren.

Am Bahnhof erfahren wir, dass es schwierig ist, im Zug von Prag nach München die Fahrräder mitzunehmen. Es gibt nur eine Verbindung, und bei dieser müssen wir dreimal umsteigen. Normalerweise. Heute jedoch werden irgendwo die Gleise repariert und die Züge durch Schienenersatzverkehr – sprich Bus – ersetzt. Busse nehmen keine Fahrräder mit. Kurzfristig können wir nur bis Ceske Budejowice/Budweis oder nach Chleb/Eger den Zug nehmen, bis dorthin fahren sie ohne Komplikationen.

OK! Wann fahren die Züge? Nun, nach Cheb fährt einer in zwanzig Minuten. Den nehmen wir!

Und so sind wir nach fast zwei Monaten Radeln heute abend in Cheb. Wir nehmen ein Zimmer am schönen Marktplatz. Wie wir morgen weiterfahren, ob mit dem Zug oder mit dem Fahrrad, das wissen wir noch nicht. Mal sehen, wie es morgen früh mit unserer Lust bestellt ist. Vielleicht träumen wir heute nacht etwas, was uns die Entscheidung näher bringt ;-)

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5. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 47. Tag: Von Terezin nach Kralupy nad Vltavou

Das sogenannte Frühstück kann nur als humoristische Einlage verstanden sein. Es sind Essensreste, bestehend aus einem Stück Gemüsepizza aus Blätterteig. Die ist so alt und zäh, dass man sie kaum schneiden oder durchbeißen kann. Dazu bekommen wir noch zwei Kirsch-Rührkuchen voller Kirschkerne. Dieses Backwerk ist so trocken, dass bei dem Versuch, die durchzubeißen eine Staubwolke hochgeht. Abgerundet wird das Ganze mit türkischem Kaffee. Wer unseren Kaffee ausgetrunken hat, weiß ich nicht. Uns wird nur der Kaffeesatz gereicht.

Wir lassen uns die Laune nicht verderben. Das Wetter ist wieder schön, der Weg, eine schmale Landstrasse, ist fast verkehrsfrei.

In dem hübschen Städtchen Roudnice finden wir eine Konditorei, wo wir ein richtiges Frühstück bekommen. Anschließend wollen wir etwas Proviant für den Tag besorgen, aber die Geschäfte sind geschlossen. So erfahren wir, dass die nächsten zwei Tage Feiertage sind. Heute ist der Tag der Slavenapostel Kyrill und Method, und morgen jährt die Verbrennung von Jan Hus. Die Feiertage zeigen sich auch durch die vielen Radler, die plötzlich die Wege bevölkern.

Unsere Elbe-Radkarte besagt, dass der weiterführende Radweg am Fluss ein “befestigter” Weg ist. Gelogen ist das nicht. Der Weg ist der ehemalige Treidelpfad, befestigt ist er mit grobem Natursteinpflaster, mit Fahrrad definitiv nicht zu befahren. So fahren die mittlererweile zahlreichen Radler auf einer Spur neben der Strasse, die im Gras getrampelt ist. Es ist eher eine Schiene als ein Weg, tief und kaum 20 Zentimeter breit. Und es kommt wie brefürchtet: Suzanne stürzt und schlägt ihre Hand, Schulter und Hüfte an, nicht schlimm, aber völlig unnötig. Wären wir bloß auf der Landstrasse geblieben!

So sind wir ziemlich misstrauisch, wo ein Schild bei Hnevice einen mit EU-Hilfe gebauten neuen Radweg anzeigt. Sollen wir, sollen wir nicht? Die Landstrasse ist gut, aber ein Radweg direkt am Ufer wäre schöner. Wir versuchen es – und wir haben Glück damit! Auf den nächsten 16 – 18 Kilometern haben wir eine exzellente Radpiste am Wasserrand.

Bei Dolni Berkovice finden wir ein gutes Ausflugslokal, wo im Garten viele Radler an diesem sonnigen Tag die Mittagspause genießen. Männer und Frauen, alle trinken Bier, und das nicht zu knapp! Außer den Kindern sind wir die einzigen, die sich mit Apfelschorle begnügen. Ich bestelle Sauerbraten, Suzanne Schweinsbraten. Beide schmecken recht gut, aber einen Unterschied können wir weder optisch noch geschmacklich feststellen. Der Preis ist beschähmend niedrig: mit Trinkgeld insgesamt weniger als acht Euro.

Melnik lassen wir diesmal unbesichtigt. Wir haben vor acht Jahren eine Moldaureise gemacht und hier, bei Melnik, mündet die Moldau in der Elbe. Hier verlassen wir also die Elbe und folgen der Moldau bis Prag.

Bei Luzec bringt uns eine kleine Fähre, eher ein Flusskahn, uber die Moldau. Die Fähre ist gar nicht ausgeschildert, wir mussen sie suchen, bis wir die Anlegestelle finden. Der junge Fährmann ist sehr zuvorkommend, er trägt unsere schweren Räder sogar selbst auf die Fähre.

Der restliche Weg führt uns auf schmale, verkehrsfreie Strassen, vorbei an zwei Schlössern nach Hled’sebe, wo wir auf den linken Ufer wechseln. Nach einigen Kilometern erreichen wir Kralupy nad Vltavou, wo wir im “Hotel Sport” ein schönes Zimmer beziehen.

Vor dem Abendessen drehen wir eine Runde in der Stadt mit dem Ziel, ein typisches tschechisches Esslokal zu finden, aber wir finden nichts Entsprechendes. So kehren wir in unser Hotel zurück, wo wir im hauseigenen Restaurant recht anständig bewirtet werden.

Da die Verletzungen von Suzanne sich als harmlos erwiesen haben, war der heutige Tag insgesamt richtig schön!

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4. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 46. Tag: Von Decin nach Terezin

Nachts habe ich wieder Kopfschmerzen gehabt. Am Morgen fühle ich mich, wie einer, der unter den Zug geraten ist. Das Wetter ist passend dazu: grau.

Wir fahren weiter an der Elbe entlang. Bis Velke Brezno folgen wir der Landstraße. Der Verkehr ist mäßig, so ist die Strecke als Radweg akzeptabel.

Ab Usti nad Labem gibt es einen nagelneuen Radweg, aber schon nach 3 – 4 Kilometern wird unsere Freude daran grundlegend versaut. Bei Burg Schreckenstein – nomen est omen – gibt es am Fluss eine Staustufe. Der Radweg verläuft hier zwischen dem Fluß und einer Eisenbahnlinie. Bei der Staustufe klettert der “Radweg” mit einer langen steilen Treppe auf eine Arbeitsplattform des Stufenbetriebes, etwa 30 Meter weiter auf der selben Weise wieder hinunter. Wir müssen unsere Fahrräder abladen, die Gepäckstücke einzeln hinüber tragen, so wie anschließend die Fahrräder, die mit der Elektrounterstützung etwa 24 Kilogramm wiegen. Damit ist aber diese Schikane noch nicht zu Ende. Jetzt hört der Radweg einfach auf. Der vorgesehene Ausweg ist eine enge, niedrige Treppenunterführung unter der Eisenbahn. Also wieder abladen, schleppen, usw. Und jetzt die Spitze: An der anderen Seite sehen wir ein dreisprachiges Schild, das die Radler, die uns entgegen, also flussabwärts fahren, warnt und eine Alternative ohne Treppen empfiehlt. Warum diese Warnung von unserer Richtung kommend fehlt, weiß nur der Teufel!

Jetzt folgt eine Schotter- und Schlammpiste, die wir mit dem schweren Gepäck kaum befahren können. Suzanne muß öfters schieben, da sie es nicht riskieren möchte, in eine Pfütze zu stürzen. Und damit unsere Freude vollkommen wird, fängt es an kräftig zu regnen.

In Libachovany finden wir ein einfaches Lokal, wo viele Radler und Wanderer vor dem Regen Schutz suchen. Es ist eng und laut, aber schön warm, und wir können sogar etwas zum Essen bestellen.

Als der Regen etwas nachlässt, fahren wir weiter. Wir nehmen die Landstraße, da der amtliche Elbe-Radweg weiterhin eine Zumutung ist.

In Litomerice überlegen wir, ob wir es für heute genug sein lassen, aber wir haben nicht mal 50 Kilometer geschafft, also weiter! Wir überqueren den Fluss an der Brücke, wo der Verkehr tobt. An der anderen Flussseite sollte der Radweg weiterführen, wir finden den aber nicht. Wo es anfangen sollte, ist jetzt eine neue, augedehnte Gewerbegebiet. So mogeln wir uns am Strassenrand und an Feldwegen nach Terezin, wo wir den Tag beenden.

Wir suchen ein Gasthaus. Die Pension am Südende der Stadt ist frisch renoviert, von außen sieht es ganz gut aus. Da wir müde und lustlos sind,  nehmen wir ein Zimmer, ohne es näher anzuschauen. Erst später merken wir, dass das Haus innen eher schäbig und auch nicht ganz sauber ist, aber was soll’s? Wir wollen heute nicht weiter.

Später machen wir einen kleinen Spaziergang in der Stadt. Terezin, zu Deutsch Theresienstadt, eine ehemalige Garnisonstadt, ist eine dieser traurigen Ortschaften, deren Name bis aller Ewigkeiten mit den Schandtaten der deutschen Nationalsozialisten verwachsen ist. 1940 wurde in der Festung der Stadt ein KZ eingerichtet, und da dieses bald zu voll war, hat man 1941 die ganze Stadt evakuiert und in ein Konzentrationslager verwandelt.

Heute ist die Festung eine Gedenkstätte und Museum, der Platz davor ist ein riesiger Friedhof, und die Stadt selbst ein trauriges, ärmliches Gemeinde. Die Einwohnerzahl ist heute viel niedriger als vor 1940. Trostlose Strassenzüge, leere Wohnhäuser mit eingeschlagenen Fenstern, verlassene Gewerbebetriebe, und Menschen, die auf was Besseres hoffen …

Wir suchen ein Lokal zum Abendessen, aber alles, was wir finden, passt zum Allgemeinbild. So kehren wir zu unserer Pension zurück. Außer uns sind nur drei junge Männer anwesend. In der kurzen Zeit, in der wir auf unsere Schnitzel warten und sie verzehren, trinkt jeder von ihnen 4 – 5 Halbe und raucht dazu Zigretten, die man gar nicht mehr zählen kann.

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3. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 45. Tag: In Decin

Es regnet. Die Temperatur ist auf etwa zehn Grad abgesackt. Die Wettervorhersage kündigt starken Regen an, und zwar den ganzen Tag. So entscheiden wir uns heute in Decin zu bleiben.

Es ist merkwürdig: Das Hotelpersonal – durchweg junge Frauen – scheint großen Wert auf Professionalität zu legen, verwechselt aber Professionalität mit zwar korrekter, aber völlig unpersönlicher Gesichtsstarre. An der Rezeption und auch im Restaurant weht ein Hauch von Eiseskälte. Sie verziehen keine Miene, sie könnten durch Automaten ersetzt werden.

Bis Mittag warten wir darauf, dass das Wetter uns erlaubt, in Decin eine kleine Runde zu drehen, aber kaum haben wir das Zimmer verlassen, treibt uns der nächste Wolkenbruch in ein Esslokal. Zeit zum Mittagessen.

Später, noch immer im Regen, laufen wir zu der Burgt hoch. Die steile Straße, die da hochführt, der “Lange Ritt”, ist einzigartig und attraktiv, aber oben ist nicht viel zu sehen. Eine Terrasse mit Rosengarten und Baustellen neben Baustellen, sowie ein kleines Museum bilden den Kern vom Erlebnis. Die Aussicht auf die Stadt ist durch unansehliche Neubauten beherrscht.

Auf dem Rückweg von der Burg erwischt uns wieder ein heftiger Regenguß. Nass und fröstelnd laufen wir zum Hotel zurück, um dort den Rest des Tages im warmen Bett zu verbringen.

Ja, ich merke selbst, dass meine Stimmung abgesackt ist. Der große Vorrat an Motivation, den wir am Anfang der Reise hatten, ist allmählich aufgebraucht. Es ist Zeit, nach Hause zu kommen.

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2. Juli 2011 / bereg

Sommertour 2011, 44. Tag: Von Dresden nach Decin/Tschechien

Es ist grau, kühl, windig. Wir nehmen den Radweg an der westlichen Flussseite, eine ausgezeichnete Radpiste. Der Weg wird von auffallend vielen Radlern benutzt, darunter sind auch viele Tourenradler mit Urlaubsgepäck. Die meisten kommen allerdings uns entgegen, also flussabwärts. Die Lanschaft ist vielleicht die schönste seit der Ostsee. Das Flusstal ist durch hohe Hügel eingeengt. An den jenseitigen Hängen wird Wein angebaut, und Weinfelder sind immer malerisch. Auch einige große Schlösser verschönern die Gegend. Natürlich wäre der Genuss hier zu radeln beim Sonnenschein noch höher, aber was soll’s? Mit dem starken Rückenwind kommen wir gut voran.

In Pirna, eine Stadt mit sehenswertem Altstadtkern, machen wir eine Pause. Wir versuchen, eine Landkarte von Tschechien zu bekommen, besuchen sämtliche Buchhandlungen, aber sie haben nur Karten für die engere Umgebung. Leider fängt es an zu regnen, was uns die Lust nimmt, in Pirna länger zu verweilen. Wir machen uns regenfest und suchen die Weite.

Bis Königstein regnet es. Seit heute früh ist die Temperatur weiter gesunken, jetzt ist es ungemütlich kalt. Wir suchen eine Imbissstube und versuchen dort das Ende des Regens auszusitzen, aber die Lage ist hoffnungslos, es hat sich richtig festgeregnet.

Hinter Königstein müssen wir die Landstrasse benutzen, wo der Verkehr ziemlich lästig ist. Vor Bad Schandau wechseln wir den Flussufer.

Wir überlegen, in Bad Schandau zu bleiben, aber das Wetter ist heute zu Scherzen aufgelegt: Es hört auf zu regnen. So fahren wir bis Schmilka weiter, wo wir mit der Fähre auf den Westufer zurückkehren.

Diese Fähre wird noch lange in meiner Erinnerung bleiben.  Es ist ein kleiner Kahn, der Einstieg ist ein schmaler, steiler Steg, mit unseren schweren Rädern ist es nicht einfach, einzusteigen, es dauert aber allerhöchstens eine halbe Minute. Der Fährman, ein grantiger Typ, dessen Äusseres ich aus rechtlichen Gründen hier nicht beschreiben möchte, beschimpft uns flegelhaft, anstelle uns zu helfen. Er kann nicht ewig auf uns warten!!! Wir halten den ganzen Betrieb auf!!! Als wir dann eingestiegen sind, schreit er mich an: “Drei vierzig, aber schnell!!!”

Wir fahren los und ich schaue mich um. Vielleich erwarte ich mitfühlende Blicke, die mir sagen, ich soll den Mann nicht ernstnehmen. Aber die zehn Passagiere, die außer uns da sind, schauen uns richtig feindseelig an! Wie tief muß bei manchen Menschen die Autoritätshörigkeit sich festgefressen haben, dass sie vor einem solchen launischen Person so kuschen!?

Die deutsch-tschechische Grenze ist mit Betonpollern markiert. Der Radweg hüben und drüben ist der gleiche. Allerdings ist die Piste hinter der Grenze in ein Kunstwerk verwandelt worden, in dem der Asphalt über ein Kilometer weit mit einem weißen Ornament bemalt ist. Wie ich im Internet nachlesen konnte, es nennt sich “Elbe/Labe Asphalt-Kino”. (Näheres hier.)

Wir erreichen Decin. Da es wieder regnet, nehmen wir schnell ein Zimmer. Das Hotel “Ceska Coruna” steht auf dem zentralen Platz und ist eins der besseren Häuser in der Stadt. Auch das Restaurant ist recht gut, die tschechischen Gerichte sind schmackhaft, und die Preise angenehm niedrig.

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